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Freitag, 22. August 2008

Live Kommentar aus dem U-Bahn Tunnel

Freitagabend, Feierabend - schnell nach Hause. Ich bin recht knapp auf dem Weg zum Bahnhof den RE22 um 18h25 zu erwischen. Wenn alles glatt läuft, kriege ich ihn auch. Wenn...

18h15 Uhr: Unsere Linie 4 steht vor dem Hans-Böckler-Platz im Tunnel. Ansage vom Fahrer: "In der Station vor uns steht noch ein Zug der Linie 3."

18h18 Uhr: Der Fahrer meldet sich nochmals zu Wort: "In der Station vor uns steht immer noch ein Zug der Linie 3. Wegen 'nem Türschaden. Die Leitstelle sagt aber, daß es in wenigen Augenblicken weiter geht. Gleich geht's weiter."

Ich sehe meinen Zug ins Wochenende schon ohne mich losfahren, weil wenn wir dann in der U-Bahnstation sind, wird der Aufzug wahrscheinlich nicht funktionieren oder auf Grund seiner unendlichen Langsamkeit die Mitfahrer nicht rechtzeitig auf dem Bahnsteig ausspucken.

18h21 Uhr: Unser verkannter Sportmoderator der die U-Bahn steuert greift wieder zum Mikrofon und verkündet: "Der Zug vor uns hat Fahrt aufgenommen."

Wir stehen immer noch und lauschen gespannt der nun folgenden Livekommentare aus der Fahrerkanzel: "Liebe Fahrgäste, wegen der Türstörung mussten alle Fahrgäster aus dem Zug vor uns aussteigen und die werden jetzt in unseren Zug einsteigen. Das könmnte ein bißchen eng werden. Seien Sie nett zueinader."

18h23 Uhr: Unser Ubahnkommentator ergreit das Wort - schonwieder: "Jetzt hat sich noch ein Zug der Linie 5 vorgedrängt. Wir haben ja auch erst 6 Minuten Verspätung. Das bauen wir dann gleich nochmal aus, wenn die vielen Leute einsteigen. "

Der Zug rollt endlich los. Ich positioniere mich an einer Tür die nächst des Aufzugs anhalten und aufgehen wird. Wir rollen in die Station und ab jetzt geht alles recht schnell und wider erwarten reibungslos - für mich. Der Aufzug ist unten und 3 Leute schon drin. Ich passe noch rein und es geht los.
Um es noch spannender zu machen, müssen natürlich die 3 Mitfahrer auf Straßenniveau aussteigen und verzögern dadurch meine Weiterfahr zum nur noch 6 Meter entfernten Bahnsteig um kostbare Sekunden.
Wenige Momente später sind meine Augen auf Bahnsteigkantenhöhe und ich erblicke zum Glück keinen am Bahnsteig stehenden Zug. Aber ich sehe auch keine Leute! Zug schon weg? Nein! Es regnet und die meisten Mitfahrer stehen rechts unter Dach und der Zug ist auch noch am Anzeiger angezeigt.

18h26 Uhr: Ich lehne entspannt am Treppengeländer und warte auf meine RE22. Tippe die Livekommentare unseres Ubahnfahres ins Händy und der Zug kommt mit ca. 3 Minuten Verspätung angerollt.

Sehr gut.

1 Kommentar:

Ulrich hat gesagt…

So einen netten, entspannten, präzisen, humorvollen Zugführer hätte ich auf meiner Pendler-Strecke auch gerne mal.

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